ARCHIV – Flamenco-Live-Events, Aufführungen, spanische Fiesta in 2018

BAILE DE AUTOR – Flamenco-Gastspiel

Manuel Liñán mit neuem Bühnenstück im tanzhaus nrw - Düsseldorf

Deutsche Erstaufführung am 05. & 06.10.18 – Nachlese von Boris de Bonn

Bailaor Manuel Liñán in "BAILE DE AUTOR" 2018 im tanzhaus nrw / Colorfoto by Boris de Bonn
Bailaor Manuel Liñán 2018 im tanzhaus nrw / Vergrößern per anklicken!

Wie seit vielen Jahren gab es auch in diesem Herbst im Düsseldorfer tanzhaus nrw wieder ein neues, vielversprechendes Flamenco-Bühnenstück zu sehen.

Zu Gast war der international bekannte spanische Tänzer und Choreograf Manuel Arroyo Liñán, kurz Manuel Liñán (* 1980).
Eingeladen von der zuständigen Flamenco-Festivaldirektorin Dorothee Schackow, präsentierte er an zwei Spieltagen auf der großen Bühne sein neues Stück BAILE DE AUTOR in deutscher Uraufführung.

BAILE DE AUTOR bedeutet soviel wie „Tanz des Schöpfers (Urhebers)“. Der Name des Stücks deutete an, dass es sich primär mit der künstlerischen Arbeit von Manuel Liñán, seinen selbst kreierten Tänzen, seinem Tanzstil und seiner Persönlichkeit auf der Bühne befasst. Begleitet wurde der aus Granada stammende Künstler von dem sehr stark performenden Sänger David Carpio (* 1975) und dem technisch hochversierten, unglaublich einfühlsam wie kraftvoll spielenden Gitarristen Manuel Valencia (* 1984), beide aus Jerez.
Das Trio verschmolz zu einer Symbiose faszinierender Flamencokunst par excellence. Natürlich lag der Focus beim Tänzer: er sitzt, träumt, probiert aus, zaubert und tanzt sich die Seele aus dem Leib. Er tanzt auf weißen Stühlen, betanzt die große Tanzfläche und tanzt zum Finale effektvoll in einem knöcheltief mit Wasser gefüllten Becken. Er tanzt u. a. variantenreich, teils rasend schnelle Zapateados mit viel Rhythmus, interpretiert eine Soleá por Bulerías und blüht in seinem Tanz por Alegrías mit Bata de cola, Mantón und Abanico vollends auf: was für eine Kraft, Ausdauer und Tanztechnik; was für eine absolute Beherrschung der Fußarbeit und der Tanzutensilien vereint mit Ausstrahlung sowie Bühnenpräsenz. Nicht minder begeisterte sich das Publikum für die Performance und künstlerische Qualität der Begleitmusiker.

Für das Trio endete der besuchte zweite Konzertabend mit minutenlangen Standig Ovations. Für Freunde des Flamenco war der Besuch der Aufführung sicherlich ein Muss, um Kreativität, neuen Ideen und Interpretationen eines leidenschaftlichen Flamencotänzers live zu erleben.

Die knapp 90-minütige Aufführung zeigte einen Manuel Liñán in bestechender Form, der seit 2003 mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und seit Jahren international als Tänzer wie Choreograf gefragt ist. Zuletzt - in 2017 - wurde ihm der viel beachtete und mit 30.000 € dotierte spanische Premio Nacional de Danza in der Modalität „Interpretación“ verliehen.

BAILE DE AUTOR wurde in Spanien im Februar 2018 in Almuñécar uraufgeführt und im gleichen Monat beim Flamenco-Festival de Jerez. Im Juni war das Stück in Bueneos Aires (Argentinien) zu sehen und im November soll es in Mailand (Italien) auf die Bühne kommen.

Lernwillige Flamenco-Aktive konnten zudem an den Workshops der drei Gastkünstler teilnehmen, die am Samstag und Sonntag im tanzhaus nrw angeboten wurden.

Weitere Infos zur Vita von Manuel Liñán auf seiner Website manuellinan.com .

Text: © BdB/07.10.18

Anmerkung: La Fragua-SchülerInnen bekamen 20% Nachlass auf die Konzert-Eintrittspreise.

LUZ – Flamenco-Aufführung & Span. Sommerfest 2018 in La Fragua

Ein heißer Sommertag, super Stimmung, volles Haus und mit LUZ eine Flamenco-Aufführung, die begeisterte: so lautet die Bilanz für das diesjährige spanische Sommerfest des Tanzstudio La Fragua.

Titelfoto zur Flamenco-Tanzaufführung "LUZ" mit Rosa Martínez am 14.07.18 im Tanzstudio La Fragua/Color-Foto by Boris de Bonn
Bailaora Rosa Martínez / Vergrößern per anklicken!

Termin: 14.07.18

Wessen Herz für spanische Lebensart, Fiestas und Flamenco höher schlägt, der kam - trotz laufender Fußball-WM - zum traditonsreichen spanischen Sommerfest ins Bonner Tanzstudio La Fragua.

Die Besucher erlebten bei schönstem Wetter und in entspannter südspanischer Atmosphäre eine unterhaltsame Fiesta sowie eine ideenreiche Aufführung mit viel Tanz und packenden Flamenco-Rhythmen.

Mit Spannung erwartet wurde die rund 60-minütige Flamenco-Aufführung LUZ. Das eigens für das Event kreierte Werk samt Inszenierung stammt aus der Feder der spanischen Flamenco-Künstlerin und Choreografin Rosa Martínez.

Mit „Luz“, zu Deutsch Licht, wird auch im Spanischen ein signifikanter Vorgang beschrieben: „Dar a luz“ etwa bedeutet so viel wie „das Licht der Welt erblicken“ oder „sacar a la luz“ bedeutet „ans Licht kommen“. Licht wird allgemein mit Leben, Erleuchtung und Inspiration verbunden.

Welche Eingebungen, künstlerischen Ideen Rosa Martínez zur kreativen Arbeit antrieben und wie die Umsetzung auf der Bühne aussah, zeigte sich in ihrem neuen Stück LUZ, auf das die Zuschauer im ausverkauften Saal mit Begeisterung und viel Applaus reagierten. Ausgedachte Lichtsequenzen, verwendbare Lichtquellen, Lichtpositionen, Stärke und Lichteffekte waren für die Inszenierung maßgeblich. Es war ein Wechselspiel zwischen Dunkelheit, Licht und Schatten, das in Posturas, gewählten Tanzstilen unterschiedlichster Formationen und vielen raumergreifende Tanzbewegungen auf der t-förmig gestalteten Bühne eindringlich zum Ausdruck kam.

Bereits zu Vorstellungsbeginn ein erster Wow-Effekt: Völlige Dunkelheit, die Bühnenmitte von schräg oben nur mit der für Schwarzlicht typischen dunkellilanen Farbe beleuchtet. Vier komplett schwarz verhüllte Personen betraten nacheinnander bedächtig die Bühne. An der Unterarmseite zu einem breiterem Strich aufgetragene phosphoreszierender Theaterschminke, die unter dem Schwarzlicht direkt neongelb erleuchtete. Durch die langsamen Armbewegungen und Positionen im Raum schienen die Lichtstreifen zu schweben. Augenblicke später reihten sich die Akteurinnen im Bühnenzentrum dicht nebeneinander auf und bildeten aus den leuchtenden Strichen in Großbuchstaben das für einen kurzen Moment lesbare Wort LUZ.

Hilfsmittel wie etwa händisch diagonal geführtes Licht aus Taschenlampen zur schemenhaften Darstellung von Körperhaltung und Gesichtsausdruck in drei weiteren Posturas oder das kurz wahrnehmbare Schwarzlicht bei der Postura mit Fächer erzeugten eine mystische Stimmung. Für zwei weitere beeindruckende Lichtstimmungen wurde ein großer weißer Bühnenvorhang aufgezogen: zentral von hinten mit nur einer starken Lichtquelle auf dem Boden beleuchtet, wurde vor dem Vorhang eine Farruca getanzt. Durch das anfänglich einzige Licht sah man nur drei dunkele Gestalten bzw. deren Umrisse, bevor weiteres Licht von oben die Tänzerinnen gänzlich sichtbar machte. Es folgte ein Duo hinter dem Vorhang, nur der Hintergrundstrahler leuchtete: mittels gezielter Bewegungsabläufen und Positionsveränderungen sah man ein effektreiches Schattenspiel mit schauspielerischen Zügen. Tanzutensilien wie Batas de cola, Fächer, Hut, verschiedenfarbig, pulsierend leuchtende Fingerringe, Stuhl, Drehhocker oder künstlich erzeugter Nebel zeigten auch ihre angedachte Wirkung. Zusammen mit den weiteren Tänzen wie Tangos, Alegrías, Guajira, Bulerías oder der Csárdás aflamencado sowie dem gewählten Programmablauf war es eine kurzweilige, abwechselungsreiche Aufführung.

Nach der Vorstellung ging die Fiesta mit feiergelaunten Gästen natürlich noch weiter. Gemäß der direkten Besucherressonanz war das La Fragua-Sommerfest insgesamt wieder ein voller Erfolg und ein tolles Erlebnis, auch wenn es zeitweise recht heiß war.

Rosa Martínez bedankt sich an dieser Stelle nochmals ausdrücklich bei den Besuchern, den treuen Stammgästen, den fleißigen Helfern und ein großes Dankeschön geht an die vielen beteiligten, sehr engagierten TanzschülerInnen, ohne die ein solches Event nicht möglich wäre.
Mil gracias a todos y para todo.

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Flamenco-Festival Düsseldorf 2018 – tanzhaus nrw

Das Düsseldorfer tanzhaus nrw in der Erkrather Straße war erneut Schauplatz sowie Austragungsort für ein einzigartiges Flamenco-Event in Deutschland. Wie gewohnt, hielt das renomierte Festival ein breitgefächertes, mehrtägiges Programm bereit.

Flamenco-Tänzerin Olga Pericet gastiert beim Flamenco-Festival 2018 im tanzhaus nrw/Color-Foto by Boris de Bonn
Olga Pericet 2018 im tanzhaus nrw / Vergrößern per anklicken!

Termin: 23.03.–02.04.18

So wie seit vielen Jahren, fand auch dieses Jahr um Ostern das über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannte Düsseldorfer Flamenco-Festival statt. Das traditionsreiche Event war erneut Anziehungspunkt für alle, die sich für die Kunst und Kultur des Flamenco interessieren, ihr nachgehen, sie aktiv ausüben oder auch leben.

Dorothee Schackow konnte als langjährig erfahrene Festival-Managerin wieder ein vielschichtiges wie vielversprechendes Programm präsentieren. Die offizielle Programmankündigung lautete:

„Das Festival […] versteht sich als Schaufenster ästhetischer Positionen des aktuellen Flamenco.“

Das Programm mache „die Gegenwärtigkeit des Flamenco als Tanz und Musikkultur sichtbar.“

Kurzum: Wer Flamenco-Aficionado ist oder werden will, sollte sich dieses Flamenco-Event in seinem Kalender unbedingt vorgemerkt haben. Es war die Gelegenheit einen Auszug der Bandbreite des gegenwärtigen Flamenco zu erleben. Während der sieben Festivaltage wurden vier Bühnenwerke als Deutschlandpremieren aufgeführt und Flamenco-Aktive konnten auf ein Angebot von über 25 Workshops für Tanz, Gesang, Gitarre sowie Perkussion (cajón) zurückgreifen. Die für unterschiedliche Niveaus ausgelegten Workshops leiteten bekannte Künstler ihres Fachs wie beispielsweise Olga Pericet, Sara Cano, Leonor Leal, Eduardo Guerrero, J. Carlos Lérida, Ana MoralesDavid Pérez, Antonia Jiménez und Juan Paredes.

Das Rahmenprogramm, u. a. mit kürzeren Performance-Interventionen, einem Release-Konzert des Gitarristen Cris López und Band im tanzhaus-Foyer am 25.03., einer Vorführung des Films „Civil servants of the art?“ von Fernando López und einer Foto-Ausstellung namens „Gira Faro“ von Fidel Meneses war sicherlich für viele Besucher auch von Interesse.

Auf der großen bzw. kleinen Bühne des tanzhaus nrw waren bei meist ausverkauftem Haus folgende Aufführungen zu sehen:

- Olga Pericet mit „La espina que quiso ser flor, o la flor que soñó con ser bailaora“ (Fr 23.03. & Sa 24.03.)
- Sara Cano mit „A palo seco“ auf der kleinen Bühne (So 25.03.)
- Leonor Leal mit „NOCTURNO“ (Fr 30.03.)
- Eduardo Guerrero mit „Guerrero“ (Sa 31.03. & So 01.04.)

Nach den jeweiligen Vorstellungen, die teilweise mit frenetischem Schlussapplaus und standing ovations endeten, fanden wieder interessante Publikumsgespräche mit den jeweils beteiligten Künstlern statt, bei denen es manchmal auch was zu lachen gab. Die unterhaltsamen Gespräche mit eingebundenen kurzen Künstlerinterviews leitete Susanne Zellinger, die neue Chefredakteurin der Flamenco-Zeitschrift anda.

Text: © BdB/04.04.18

Anmerkung: La Fragua-SchülerInnen bekamen 20% Nachlaß auf die Konzert-Eintrittspreise sowie auf die Workshopbeiträge.