FLAMENCO – ein von der UNESCO anerkanntes Weltkulturerbe

Flamenco  Weltkulturerbe / SW-Foto by Boris de Bonn

Flamenco ist Immaterielles Kulturerbe der Menschheit
… es Patrimonio Cultural Inmaterial de la Humanidad
… is Intangible Cultural Heritage of Humanity:

dies entschied die UNESCO am 16. November 2010.

Flamenco als tradierte Kunst- und Kulturform ist nunmehr ein Weltkulturerbe oder besser gesagt,
ein Immaterielles Kulturerbe der Menschheit.

Das zuständige Zwischenstaatliche Komitee der UNESCO kam auf seiner Tagung in Nairobi (Kenia) zu dieser Entscheidung.

Konkret beinhaltet diese: Flamenco ist in die sogenannte Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen (siehe Punkt 3 der UNESCO Decision 5.COM6.39 ).

Die Entscheidung löste in Spanien, vor allem in den Regionen Andalusien, Murcia und Extremadura – diese waren im Antragsverfahren maßgeblich beteiligt –, ganz überwiegend Freude, Zustimmung und auch einige Hoffnung auf Subventionen für den Flamenco aus.

Nachfolgend werden einige wichtige Fakten, Rechtsgrundlagen und Hintergründe zur Entscheidung der UNESCO, den Flamenco zum Weltkulturerbe zu erklären, dargestellt.

Themenübersicht zur UNESCO-Entscheidung bzgl. des Flamenco

UNESCO-Übereinkommen 2003 - das Zwischenstaatliche Komitee

Die Umsetzung des von der UNESCO-Generalkonferenz am 17.10.2003 in Paris beschlossenen Übereinkommens zur Bewahrung des Immateriellen Kulturerbes
– in Kraft seit dem 20.04.2006 – erfolgt durch das sogenannte Zwischenstaatliche Komitee. Dessen Aufgaben, Zusammensetzung und Wahl sind in den Artikel 5 ff. des Übereinkommens von 2003 geregelt. Das Komitee ist ein Exekutivorgan der UNESCO.

Dem Übereinkommen sind laut UNESCO bisher 133 Länder (Stand: 07.10.2010) beigetreten. Spanien hat das Übereinkommen am 25.10.2006 ratifiziert.

Definition des Immateriellen Kulturerbes

Das Übereinkommen 2003 definiert in Artikel 2 Pkt. 1 das immaterielle Kulturerbe als

„Praktiken, Darbietungen, Ausdrucksformen, Kenntnisse und Fähigkeiten – sowie die damit verbundenen Instrumente, Objekte, Artefakte und Kulturräume –, die Gemeinschaften, Gruppen und gegebenenfalls Individuen als Bestandteil ihres Kulturerbes ansehen. Dieses immaterielle Kulturerbe, das von einer Generation an die nächste weitergegeben wird, wird von Gemeinschaften und Gruppen in Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt, ihrer Interaktion mit der Natur und ihrer Geschichte fortwährend neu geschaffen und vermittelt ihnen ein Gefühl von Identität und Kontinuität. Auf diese Weise trägt es zur Förderung des Respekts vor der kulturellen Vielfalt und der menschlichen Kreativität bei.“

(Quelle: Inoffizielle Arbeitsübersetzung der Deutschen UNESCO Kommission )

Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes

Die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes, geregelt in Artikel 16 des Übereinkommes 2003, hat auf internationaler Ebene folgende Ziele:

die bessere Sichtbarkeit des immateriellen Kulturerbes gewährleisten,
das Bewusstsein für seine Bedeutung stärken,
den Dialog bei gleichzeitiger Achtung der kulturellen Vielfalt fördern.

Die Liste wurde von der UNESCO erst am 5. November 2008 offiziell eröffnet. Sie enthält aktuell 213 kulturelle Ausdrucksformen aus allen Weltteilen.
Spanien verzeichnet derzeit mit dem Flamenco insgesamt 10 Kulturgüter (Stand: November 2010) in der Repräsentativen Liste der UNESCO .

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Flamenco aus Sicht der UNESCO

Die UNESCO beschreibt den Flamenco – basierend auf den vom Komitte erstellten Antragskriterien R.1-R.5 und Spaniens Bewerbungsantrag (PDF-Datei/159 KB in Englisch) – wie folgt, wobei der spanische Textfassung wegen der Natur der Sache der Vorzug gegeben wird, zumal Spanisch offizielle Amtssprache der UNESCO ist:

„El flamenco es una expresión artística resultante de la fusión de la música vocal, el arte de la danza y el acompañamiento musical, denominados respectivamente cante, baile y toque. La cuna del flamenco es la región de Andalucía, situada al sur de España, aunque también tiene raíces en otras regiones como Murcia y Extremadura. El cante flamenco lo interpretan, en solo y sentados generalmente, un hombre o una mujer. Expresa toda una gama de sentimientos y estados de ánimo – pena, alegría, tragedia, regocijo y temor – mediante palabras sinceras y expresivas, caracterizadas por su concisión y sencillez. El baile flamenco, danza del apasionamiento y la seducción, expresa también toda una serie de emociones, que van desde la tristeza hasta la alegría. Su técnica es compleja y la interpretación es diferente, según quien lo interprete: si es un hombre lo bailará con gran fuerza, recurriendo sobre todo a los pies; y si es una mujer lo ejecutará con movimientos más sensuales. El toque de la guitarra flamenca ha trascendido, desde hace mucho tiempo, su primitiva función de acompañamiento del cante. Éste se acompaña también con otros instrumentos como las castañuelas, y también con palmas y taconazos. El flamenco se interpreta con motivo de la celebración de festividades religiosas, rituales, ceremonias sacramentales y fiestas privadas. Es un signo de identidad de numerosos grupos y comunidades, sobre todo de la comunidad étnica gitana que ha desempeñado un papel esencial en su evolución. La transmisión del flamenco se efectúa en el seno de dinastías de artistas, familias, peñas de flamenco y agrupaciones sociales, que desempeñan un papel determinante en la preservación y difusión de este arte.“

(Text: „El flamenco“ © UNESCO )

Link-Tipp: Der UNESCO-Text/die Beschreibung des „Flamenco“ in Englisch .

Hinweis: Demnächst steht hier eine inoffizielle deutsche Übersetzung des Textes durch Boris de Bonn, sobald die Genehmigung der UNESCO vorliegt!

Video zum Flamenco, das die UNESCO mitüberzeugen sollte:

Auch die UNESCO lässt sich in ihrem Entscheidungsprozess über die Aufnahme eines Kulturgutes in die Repräsentative Liste offenbar leiten von dem allgemeinen Erfahrungssatz und Sprichwort: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Denn jeder Bewerbung zur Aufnahme eines Kulturgutes in die Repräsentative Liste müssen nach den derzeit geltenden Rechtsgrundlagen 10 Fotos und 1 Video zur Illustrierung des Antrags beigefügt sein (UNESCO-ICH 02-Instructions  siehe dort Punkt 13-20/Download 147 KB).

Hier finden Sie das Bewerbungsvideo Spaniens zum Flamenco › – © UNESCO/ 
© Agencia Andaluza para el Desarollo del Flamenco/Junta de Andalucia –, welches neben den eingereichten Textdokumenten und den vorgelegten Fotos die UNESCO letztendlich mitüberzeugt hat, den Flamenco zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit zu erklären.

Text: © Boris de Bonn 2010